Die Sonnentöchter - Buch von Christine Engel


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Interview

Interview mit der Autorin Christine Engel

Wie kam es zu dem Buch „Die Sonnentöchter“?
"Das Buch ist aus dem gleichnamigen Tanzmärchen entstanden und nimmt Bezug zu dem Inhalt der Handlung aus tiefenpsychologischer Sichtweise."

Haben Sie eine psychologische Ausbildung?
"Kommt darauf an, was man darunter versteht. Also im wissenschaftlichen Sinne eher weniger, wobei mir mein Sozialpädagogikstudium schon Grundlegendes vermittelt hat. Ich habe mir allerdings mehr Wissen durch Praxis und Eigenstudium angeeignet. Besonders gut konnte ich von Herrn Drewermanns Märcheninterpretationen lernen. Die Grundlagenausbildung zur Tanztherapie habe ich an der Kleine-Nestler-Schule bei Veronika Faber absolviert."

Sie haben hier kein Märchen von Grimm oder Andersen wie Herr Drewermann interpretiert sondern dieses Märchen der Sonnentöchter zunächst selbst verfasst, wie kam es dazu?
"Eines Tages kam Mitte der Neunziger Jahre eine Tanzschülerin zu mir und brachte eine Musik mit, es war die CD „Caravan“ von Mike Batt, der Soundtrack zu einem Film. In einer ruhigen Minute hörte ich hinein und fühlte mich davon tief berührt. Ich glaube, dass ist bei den meisten Künstlern so, es entstehen innere Bilder sowie Bewegungen bei Tänzern, die aus den Tiefenschichten der eigenen Psyche kommen. So auch bei mir, ich tanzte das was die Musik an Bewegungen und Gedanken in mir hervor rief."

Es ist also ein psychischer und künstlerischer Prozess?
"Als solches kann man es gewissermaßen bezeichnen, C. G. Jung nannte diese Ebene das kollektive Unbewusste. Also etwas, dass in jedem Menschen angelegt ist. Märchen sprechen oft aus dieser Ebene, deshalb ähneln sich auch viele Märchen rund um den Globus, obwohl die Menschen nie Kontakt miteinander hatten. "

Das würde also heißen, mir fallen dann beim Hören dieser Musik, wenn ich tänzerisch geschult bin, die gleichen Bewegungen ein, die Ihnen eingefallen sind?
"Nein, ganz so wird es nicht sein, denn jeder Mensch hat auch etwas Individuelles und Einzigartiges. Aber es wird bestimmt Gemeinsames geben. Man kann sich auch zuerst eine Märchengeschichte ausdenken, jeder Mensch kann das."

Also waren bei Ihnen zuerst die Tänze da und wie kam dann das Märchen in Schriftform zustande?
"Es ist beim Schreiben ebenso wie im Tanz, dass ich mich für die Tiefenschichten meiner Psyche öffne, um das Gemeinte in Worte zu fassen, die das Ganze auch noch genauer und ganzheitlicher für den Intellekt erfassbar machen. Wichtig ist nur, dass der Geist nicht sofort reflektiert und an Sätzen feilt, das verfälscht das Ursprüngliche."

Wie kam dann später die Interpretation dazu?
"Es ist auch hier ein Zusammenarbeiten von Geist und Psyche, das betrifft die Bücher- und Zitatenauswahl, die Bilder und die Hauptaussage. Ich meine, mich als Bauchdenkerin bezeichnen zu können. Natürlich musste ich verschiedene Bücher lesen und dann herausfiltern was mir relevant erschien. Den Anfang machte Herrn Drewermanns Werk Tiefenpsychologie und Exegese, dass ich bei der bekannten Tänzerin Dschamila in Erfurt kennen gelernt hatte. Wir arbeiteten gerade zusammen, um das Tanzmärchen für sie einzustudieren, als ich das Buch am Abend bei ihr im Bücherregal entdeckte. Ich las viele Bücher, die mich interessierten, öfters gleich die Romanzen vom Rosenkranz von Clemens Brentano. Die vorliegende Interpretation hatte ich dann im Januar 2009 begonnen."

Sie nannten vorhin den Begriff Hauptaussage, wie ist das zu verstehen?

"Nun, die Hauptaussage des Buches und des Tanzmärchens ist das Finden unseres Sonnenwesens in uns selbst und die Hoffnung auf Änderungen des Seins. Wir müssen uns mit dem Archetyp der Prinzessin Sonnenschein identifizieren, ihren Reisewegen in den Seelenlandschaften folgen, mit ihr leiden, mit ihr lieben ..."

Das klingt jetzt so nach Marschplan zum gelebten Paradies auf Erden, quasi mit Ihnen als Vordenkerin, machen Sie es sich da nicht ein bisschen zu einfach in der Vielfältigkeit der Welt und den zwischenmenschlichen Beziehungen?
"Zunächst behaupte ich ja nicht, Prinzessin Sonnenschein zu sein, sondern nur dieser Wesenhaftigkeit zu folgen. Ich glaube an die Wahrheit dieser Sätze, diese Eingabe, wenn Sie so wollen. Deshalb möchte ich jetzt gerne etwas zu dem Status einer Märchenerzählung sagen, ein Märchen kann nicht sagen, dass dies oder das eintritt wenn man sich so oder so verhält aber schon allein die Möglichkeit, dass das Genannte Wirklichkeit werden kann, ist entscheidend. Märchen halten träumerisch die höchsten Ziele für machbar, sind Menschheitsträume nicht zum Einschlafen sondern zum Aufwachen. Diese kindliche Grundstimmung ist wichtig und fehlt heute leider vielen Menschen."

Zum Schluss noch eine Frage. Was sind Ihre persönlichen Wünsche und Träume?
(lachend) "Ja, ich habe schon ein paar, aber die möchte ich jetzt eigentlich nicht verraten.
Nur so viel, dass vielleicht einmal eine professionelle Tanztheaterinszenierung mit talentierten TanzkollegInnen daraus wird, die dann in verschiedenen Städten Menschen die Essenz der Interpretation näher bringt. Ich wünsche mir ganz viele Sonnenmenschen, denen ich, auch wenn ich sie nicht persönlich kenne, das Buch gewidmet habe."

Vielen Dank für das Interview und Ihre Erläuterungen. Alles Gute und toi, toi, toi ...
"Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen ebenfalls alles Gute."

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